Säuglings- & Frühgeborenenernährung

Der Einsatz von Stutenmilch in der Säuglingsernährung ist, verglichen mit dem Einsatz bei anderen Erkrankungen, noch jung. Das liegt vermutlich daran, dass wir als Kultur flächendeckend erst ab etwa 1900 auf die Idee kamen, Säuglinge mit etwas anderem als Muttermilch zu ernähren.

Stutenmilch enthält wesentlich weniger Fett als Frauenmilch. Native Stutenmilch eignet sich deshalb nicht als Säuglingsnahrung.

In Deutschland, der Schweiz und Finnland wurde fettadaptierte (fettangereicherte) Stutenmilch um 1920 (Freudenberg, Schweiz)), um 1950 (Kalliala, Finnland), um 1970 (Wiesener, Deutschland) und ab 1985 (Kinderkliniken GGK Herdecke & Filderklinik, Filderstadt) bis heute als Säuglings- und Frühgeborennahrung eingesetzt.
Bei entsprechenden wissenschaftlichen Untersuchungen in den Jahren um 1920, 1950 und 1970 zeigte sich fettadaptierte Stutenmilch den jeweils üblichen Säuglingsnahrungen auf Kuhmilchbasis überlegen.

Seit 1985 wird fettadaptierte Stutenmilch in den Krankenhäusern GGK Herdecke und Filderklinik / Filderstadt vor allem dann in der Säuglings- und auch Frühgeborenenernährung eingesetzt, wenn Muttermilch oder handelsübliche Säuglingsnahrungen mit anderer Eiweißbasis zu Ernährungsproblemen führen, auch die sogenannten Semielementardiäten, z.B. bei Säuglingen mit multiplen Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Die fettadaptierte Stutenmilchnahrung wird gerne getrunken, und führt in der Regel zur Lösung des Ernährungsproblems. Unverträglichkeiten sind selten.
In der Frühgeborenenernährung kann zum Teil auch Kindern geholfen werden, die sonst als unernährbar hätten aufgegeben werden müssen.
Außerdem wird Stutenmilch dort in Diäten zum Auschluss von Nahrungsmittelallergenen als Basisnahrung zusammen mit Reisschleim eingesetzt.
Da Stutenmilcheiweiß laut Gesetz nicht als Quelle für Säuglingsnahrungen zugelassen ist (siehe unten), werden die Eltern um ihr schriftliches Einverständnis gebeten, bevor Stutenmilch zum Einsatz kommt.
Diese Fälle werden kliniküblich dokumentiert, wurden jedoch unseres Wissens bisher keiner wissenschaftlichen Studie zugeführt.

In den Jahren 1992, 2000 und 2007 wurden in Italien mehrere Studien mit Eselmilch durchgeführt, die der Stutenmilch nahe verwandt ist. Untersucht wurde die Eignung in der Säuglingsernährung bei hoch problematischen Unverträglichkeiten gegen Kumilch und Kuhmilchproteinhydrolysaten. In allen Studien zeigte sich Eselmilch als die am besten verträgliche Milch und problemlos zur Ernährung der Säuglinge geeignet (siehe Literaturhinweise am Schluss).

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